Die Stimme des Herzens

Unsere Ausbildungslehrerin Tanja Seehofer ist eine gefragte Autorin. Sie schreibt für verschiedene Magazine und veröffentlicht demnächst ihr viertes Buch über Yoga. In unserer 200 Stunden Yogalehrer Grundausbildung unterrichtet sie den Fachbereich Restoratives Yoga, Achtsamkeit und Meditation. Hier ein sommerlicher Beitrag, den sie für die Yoga Kolumne der „Freundin“ geschrieben hat.

Besucht Tanja online: www.tanjaseehofer.de

Sommer lässt unser Herz aufblühen: Wir lachen, lieben und genießen das Leben. In der TCM bilden Herz und Dünndarm ein Organpaar, das mit dem Element Feuer in Verbindung steht. Bei aller Freude und Leidenschaft ist es wichtig, uns vom Zuviel an Yang-Energie nicht zu sehr mitreißen zu lassen.

Das Herz wird in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) als majestätischer, kluger Kaiser bezeichnet. Er lebt für sein Volk und ist ein geerdeter Weiser, der zeigt, wo es lang geht. Er ermöglicht seinem Volk das Leben und kümmert sich liebevoll und fürsorglich um alle Angelegenheiten. Dieselben Qualitäten hat auch unser Herz, das in unserem Zentrum, in der Mitte unseres Körpers liegt. Das rote, kraftvolle Lebenselixier Blut wird im Herzen gebildet, von dort aus wird es weitergepumpt, denn 99 Prozent des Blutes gibt das Herz weiter. Es stellt dem Körper das Blut zur Verfügung. Das Herz ist somit für die anderen Organe da und für alle Körperfunktionen maßgeblich. Es schenkt uns Lebenskraft und Power, es hält uns buchstäblich am Leben.

Das Organpaar Herz und Dünndarm

Das Herz ist ein Speicherorgan und um gesund zu bleiben, muss es weich und immer voll Blut sein. Jedoch strebt es auch die Leere an, damit in seinem Zentrum der Geist (SHEN) genügend Platz hat. Man sagt, im Herzen wohnt unser Bewusstsein. Die dem Herzen zugeordnete Emotion ist die Freude, der dem Herzen zugeordnete Ausdruck ist das Lachen, das Sinnesorgan ist die Zunge, der Sinn ist die Sprache, die Flüssigkeit ist der Schweiß und das zugeordnete Körpergewebe sind die Blutgefäße.

In der TCM ist das Herz gepaart mit dem Dünndarm und wird dem Element Feuer zugeordnet. Die Energie des Feuers strebt nach oben, es ist die höchste Entwicklungsstufe, es ist so aktiv, so Yang-betont, dass kaum mehr Yin vorhanden ist. Es enthält so wenig Yin-Energie, dass es keine Form, keine Substanz mehr annimmt: Feuer flackert und man kann es nicht fassen. Es ist Yang-Aktivität in seiner höchsten Form. Es ist das Element mit der höchsten Schwingung und hat als einziges die Fähigkeit zu transformieren.

Feuer symbolisiert Liebe, Lebenskraft und Leidenschaft

Im Zusammenhang mit dem Feuer steht die Wärme, die Farbe Rot, das Licht, die Liebe, die Mittagssonne (ein Zuviel davon lässt einen Sonnenbrand entstehen, wir „verbrennen“ förmlich durch die Hitze) und der Sommer. Diese wundervolle Zeit lässt die Kraft in unserem Herzen erblühen, das Leben steht somit in voller Blüte. Wir erfreuen uns an abendlichen Grillfeiern mit Freunden, an einer humorvollen Kommunikation, die uns glücklich macht. Wir sind zufrieden und fühlen uns in der eigenen Mitte angekommen und voller Frieden, denn die Friedensflamme in uns ist entfacht. Die Tendenz des Feuers ist es, nach oben zu steigen. Wenn jemand also so richtig „feurig“ ist, dann ist er voller Leidenschaft, die Augen leuchten und er ist total begeistert, aufgeregt und ausgelassen! Eigentlich ein wünschenswerter Zustand und doch gilt es, die Balance zu halten.

Für eine Sache brennen und doch am Boden bleiben

So viel Glückseligkeit dieses Element auch bringen mag, ist Vorsicht geboten an dem „Zuviel“. Ein kleines Beispiel: Ein leidenschaftlicher Künstler steht in seiner vollen Blüte, er hat großen Erfolg, er ist begehrt, beliebt, ist an der obersten Spitze angekommen. Ein Bild in der TCM, das die höchste Yang-Energie symbolisiert, ist übrigens ein völlig nackter Mensch, der auf einer Bergspitze singt, tanzt und lacht. Keiner kann ihn aufhalten, es gibt nur noch ihn. Nun bekommt er jedoch den Größenwahn, er ist der Beste. Voller Enthusiasmus stürzt er in eine Traumwelt. Sein Feuer und sein Ego wird immer mehr genährt von seiner Selbstverliebtheit, er blendet die anderen und sein Erfolg lässt nach, er wird nicht mehr gebucht und ist nun am Boden, Traurigkeit und eine schwere Depression folgen. Eine manische Depression ist nichts anderes als eine starke Feuerstörung. Man wird „bitter“ (der Geschmack des Feuers ist bitter). Diese Verbitterung lässt unser Herz hart werden, es versteinert, wir werden lieblos und menschenscheu. Die Gefühle, die im Herzen entstehen, werden „ausgelöscht“ und im schlimmsten Falle braucht man eine Maschine, die die Gefühlsarbeit des Herzens übernimmt – einen Herzschrittmacher.

„Wenn du einen Weg gehst, frage dich, ob es ein Weg mit Herz ist“ – Carlos Castaneda

Fragen an unser Herz

Um unsere innere Flamme im richtigen Maß brennen zu lassen und in Kontakt mit unseren Gefühlen zu bleiben, ist unser Geist, unser volles Bewusstsein gefragt (SHEN sitzt im Herzen). Wir müssen uns immer wieder folgende Fragen stellen:

Höre ich auf mein Herz?
Was fühle ich?
Bin ich ehrlich mit mir und meinen Gefühlen?
Was tut mir gut, was macht mir Freude?
Gehe ich den Weg des Herzens?

Hier kann uns die Energie des Dünndarms unterstützen, die uns hilft, das Klare vom Trüben zu trennen. Die eigentliche Verdauung findet hier statt (Bauch-Gehirn). Es geht darum, die Eindrücke zu verdauen, das wirklich Nahrhafte im Leben zu erkennen, das uns den Weg leuchtet, der unserem inneren Wesen entspricht. Wir dürfen uns in der Stille Zeit schenken, um tief in den Grund unseres inneren „Meeres“ zu bohren und somit das wertvolle Öl (die edle, weise Wahrheit) aus der Tiefe des Unbewussten hochzufischen.

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Meine zwei Lieblings Yin Yoga Haltungen für das  Feuer Element:
(Falls Du beim Üben Schmerzen verspürst, gehe bitte sofort aus der Haltung heraus.)

Liegender Schmetterling mit gestreckten Armen

Lege Dich entspannt auf den Boden. Bringe die Beine in die Position des liegenden Schmetterlings, indem Du die Fußsohlen zusammenbringst und die Knie nach außen beugst (s. Foto oben). Falls die Dehnung in den Hüften/Leisten zu stark wird, kannst Du Klötze unter den Oberschenkeln aufstellen. Strecke nun beide Arme nach oben in Richtung Kopf aus und bringe Deine Handrücken zusammen, lege Deine Arme mit leicht gebeugten Ellenbogen entspannt hinter der Kopfkrone am Boden ab.

Schließe die Augen und verweile hier 3-10 Minuten oder auch gerne länger, je nach dem Bedürfnis der Entspannung.

Ausgleichspose: Knie zum Brustkorb

Bringe mit der Ausatmung die Knie zur Brust und verschränke die Hände um die Schienbeine. Die Schultern und das Becken entspannen sanft in den Boden.

Korkenzieher mit gestreckten Armen

Beginne in einer entspannten Rückenlage. Die Beine sind in der Position des liegenden Schmetterlings (s. Übung oben). Strecke Deine Arme nach oben aus und lege sie entspannt  neben dem Kopf ab.

Kippe nun mit der Ausatmung ein Knie zur gegenüberliegenden Seite, so dass  nun beide Knie zu einer Seite Richtung am Boden abgelegt sind. Die Drehung und Dehnung in der Wirbelsäule verändert sich, je weiter Du die Knie nach oben oder nach unten ziehst.

Du kannst die Position Deines Kopfes leicht verändern, so wie Du es als angenehm empfindest.

Schließe die Augen und verweile hier entspannt für 3-5 Minuten oder auch gerne länger, je nach dem Bedürfnis der Entspannung. Führe die Übung dann noch zur anderen Seite aus.

Ausgleichspose: Knie zum Brustkorb (s. Beschreibung oben)

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Wenn Du im Herbst Deine Batterien auf einer außergewöhnlichen Rund-Reise aufladen möchtest, begleite Tanja nach Bali. Im November veranstaltet Sie dort ein zweiwöchiges Retreat begleitet von Live-Musik mit Yann Kuhlmann.
Infos und Anmeldung: Yoga Travel & Friends.

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